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Interview mit Roland Froschauer
B.M.: Herr Froschauer, als wir diesen Termin vereinbart haben, sagten Sie gleich, Fotos brauche man keine von Ihnen machen, dafür würden Sie selber sorgen.
Jetzt liegen da einige Abzüge vor, die einen recht ernsten und nachdenklichen jungen Mann zeigen. Sehen Sie sich so?
R.F.: Da es Selbstporträts sind, stimmt wohl die Aussage über das "selber sehen" recht wörtlich. Ich sehe mich aber weniger ernst als vielmehr konzentriert bei der Arbeit - bei der Fotografie.
B.M.: Nun sind Sie ja erst seit wenigen Jahren in der Fotografie aktiv, was war davor und wie kam es zu dieser Passion?
R.F.: Mit der Fotografie bin ich eigentlich aufgewachsen - durch meinen Vater, Lehrer und Mentor - es hat halt ein wenig länger gedauert, bis ich den Auslöser gefunden habe.
B.M.: Wie darf man das verstehen?
R.F.: Ich war auf dutzenden Fotoreisen mit meinen Eltern, Bildbesprechungen und Dunkelkammerluft waren mir schon als Schuljunge vertraut.
Aber erst als mir während einer Reise ein Freund einen nagelneuen Fotoapparat mit den Worten umgehängt hat: "Das Ding ist ja irre schwer. Nein, das trage ICH sicher nicht eine Woche herum. " Nachdem ich nach einer Stunde den ON/OFF Schalter gefunden habe, hat es dann auch mal Klick gemacht, zuerst an der Kamera und dann in meinem Kopf.
B.M.: Gibt es für Sie so etwas wie Vorbilder in der Fotografie?
R.F.: Ja, natürlich gibt es solche Fotografen an denen man sich künstlerisch orientiert und ich gebe das auch gerne zu. Ich halte nichts von den Aussagen der Kollegen, die bei jeder Gelegenheit betonen, es zähle nur der eigene Stil - ich halte es schlichtweg für etwas vermessen nach einigen Jahre in der Fotografie vom eigenen Stil zu sprechen, wofür Fotografen mit guten Namen ein Leben lang gebraucht haben.
Neben meinem Vater, den ich als Fotograf sehr schätze, zählen Richard Avedon, Jim Rackete, Howard Schatz und Nigel Parry zu meinen "Favoriten".
B.M.: Allesamt Topleute aus dem Porträtbereich - ist dort auch Ihre fotografische "Heimat".
R.F.: Ja, ganz klares Ja.
B.M.: Ihr schlimmsten und schönstes Erlebnis beim Fotografieren.
R.F.: Beginnen wir beim "worst case". Kinderfotografie ist für mich ein großes Thema: spannend und immer mit ein wenig Abenteuer verbunden. Der Job waren 2 Kids, ja OK etwas aufgedreht und quirlig schon aber als die begannen mit dem Datenkabel zwischen Kamera und Laptop Schnur zu springen ist mir der Angstschweiss auf die Stirn geschossen. Die Bilder sind interessanterweise aber sehr gelungen. Als ich nach Hause kam, war ich zehn Jahre älter - so meinte es zumindest meine Frau. Das Highlight: Es gibt in der Fotografie etwas - ich nenne es den "golden moment" - sehr Fesselndes. Wenn man im Moment der Aufnahme genau spürt, dass dies ein tolles Bild wird, genau so wie man es komponiert und erdacht hat, ohne jeden Zweifel, dann erlebt man ein Hochgefühl - kaum vergleichbar.
B.M.: Gut, noch ein abschließendes Wort zur Technik. Analog oder digital, Film oder Pixel?
R.F.: Die digitale Technik hat zweifelsohne der Fotografie zu einem kaum zuvor erlebten Hipe verholfen. Sie werden von mir sicher keine Antwort über qualitative Vor- und Nachteile erhalten und ich werde weder für die eine noch für die andere Technik eine Lanze brechen. Jeder Fotograf muss dies selber entscheiden, seien es vertraute und gewohnte Pfade oder wirtschaftliche Erwägungen sich für Film oder Pixel zu entscheiden. Allein das Bildergebnis und nicht der Weg dorthin zählt. Einen Film in die Kamera einzuspannen hat zweifellos etwas Faszinierendes, die sofortige Kontrollmöglichkeit und Verfügbarkeit eines digitalen Datensatzes lässt einem aber schon sehr ruhig vom Set fahren und man ist sicher, den Job zufriedenstellend im Kasten zu haben.
B.M.: Geben Sie uns noch eine Antwort auf Ihre Arbeitstechnik?
R.F.: Ich arbeite im Mittel- und Grossformat. Kleinbildkameras gibt es nicht. Die Digitalrückteile haben heute ein fantastisches Qualitätsniveau erreicht, wobei ich mich auf manchmal dem Charme des Film hingebe. Manchmal schreit ein Motiv oder eine Serie danach analog aufgenommen zu werden – und dann höre ich hin.
B.M.: Herr Froschauer, ich danke für das Gespräch.
Das Gespräch führte Boris Maier.
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